Realityshow

Ich bin gerade auf Bali. Genaugenommen in Canggu, wo das Leben die surfende Welle sein kann, die die Insel in unseren Erwartungen verspricht: viel Sonne, Strand, gute Cafés und einladende Balinesen, die nicht zu Unrecht für ihr Lächeln bekannt sind. Canggu ist mittlerweile aber nicht mehr nur der Inbegriff des puren, heilenden Lebens, sondern wurde mit einer Schicht Oberflächlichkeit überzogen, die all die Influencer dieser Welt peut à peut nach Bali importiert haben, weswegen nun das genaue Gegenteil erzeugt wird: Isolation an einem Ort, an dem es hauptsächlich um Verbindungen geht.

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#1: Gefühlskarussell

Kann man innerhalb eines Lebens mehrere Leben leben?

Ich war im Frühjahr für drei Wochen auf Bali und es klingt wie ein Klischee, aber diese Zeit teilte mein Leben in ein Davor und Danach. Aber es gab auch ein ganz eindeutiges, eigenes Währenddessen, das in einer Zwischenwelt stattfand. Als ich auf Bali war, habe ich die dunkelsten Abgründe gesehen, alte Dämonen begrüßt und gleichzeitig so viele 10er erlebt, die mich daran zweifeln lassen, ob das, was ich zuvor als 10 wahrgenommen habe, überhaupt eine 10 wert war. Ich habe geweint, gelitten und doppelt so viel geliebt. Ich habe gelernt, dass Frieden die Farbe Gold hat. Und, dass er in der emporsteigenden Asche des Vulkans Gunung Agung zu finden ist. Ich habe als nicht-religiöser Mensch endlich verstanden, was es heißt, etwas Göttliches zu sehen.

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Spiegelbild

Gestern habe ich mich im Spiegel angeschaut, bevor ich duschen gegangen bin. Du hast einen von diesen großflächigen Spiegeln im Badezimmer, die nichts verzeihen. Und mir hat, wie so oft, nicht gefallen, was ich dort sah.

„Ich seh furchtbar aus“, habe ich frustriert gesagt.

Du standst neben mir, hast mich angeschaut und nicht verstanden worum es geht. „Was meinst du?“, hast du gefragt.

„Das hier alles …“, hab ich geantwortet und mit meiner rechten Hand vor meinem Körper rumgefuchtelt, „Ich seh furchtbar aus. Ich hasse es, mich im Spiegel anzuschauen.“ Mittlerweile war ich nicht mehr frustriert, sondern wütend. Irgendwie wütend auf mich selbst.

Du hast mich einen Moment lang durch den Spiegel angeschaut und kurz innegehalten. Dann hast du leise gesagt: „Ich auch nicht. Ich schau mich auch nicht gerne im Spiegel an.“

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Kurz erklärt: Dünne Grenzen (Thin Boundaries)

Ich war gestern bei einem Schlafdoc. Ihr wisst schon, Monster und so. Dabei musste ich überraschend feststellen, dass es um mehr ging als nur ums (Nicht-)Schlafen. Diese 90-Minuten-Sitzung gab mir etwas für mein Leben mit, denn ich lernte ein Konzept kennen, dass mich auf eine völlig überraschende und kontraintuitive Weise erklärte: das Konzept der dünnen Grenzen (engl.: Thin Boundaries).

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