Es ist niemals nicht leicht

Eigentlich ist es immer ganz einfach. Und ja, da ist es das Wort „eigentlich“, weil auch ich weiß, dass es nicht immer leicht ist. Dass das Leben schwer sein kann und nicht zuletzt auch deshalb, weil wir es uns selbst so schwer machen. So oft habe ich schon Sätze gehört wie: Ja, ich möchte das, aber es ist so schwer… oder: Ich kenne mein Problem, aber ich schaffe es einfach nicht, etwas zu ändern. Sätze wie letztere sind besonders tragisch. Denn hat uns die Lektüre in der Brigitte oder der Therapeut im Sessel gegenüber nicht immer versichert, dass Erkenntnis der erste Schritt zur Veränderung ist? Und gibt es kein frustrierendes Gefühl als das Problem inklusive der Lösung genau zu kennen und doch nichts verändern zu können?

Es gibt Menschen, denen hilft das tatsächlich. Die kennen ihr Problem nicht ansatzweise und fallen aus allen Wolken, wenn ihnen jemand – oder sie sich selbst – die Augen öffnet/öffnen. Für sie entwickeln sich auf einmal ganz neue Möglichkeiten und sie schaffen es , etwas zu verändern. Und dann gibt es noch uns. Die völlig reflektiert meinen, sich so gut zu kennen, dass es einfach keinen Sinn macht, warum wir unsere alten Gewohnheiten oder Laster noch nicht aufgegeben haben, die unseren Alltag  doch so beschweren. Aber wenn ich eins in diesem Leben gelernt habe, ist es das: Es ist immer einfach. Man muss es nur wollen. Und mit wollen meine ich wirklich wollen. Nicht diese Art von selbstbetrügerischem Wollen. Leider wissen wir nur manchmal nicht, dass wir uns selbst betrügen. Aber da hilft eine ganz simple Regel: Wenn es mir schwer fällt, obwohl ich es doch eigentlich will – dann will ich es einfach nicht.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich möchte niemandem seine Willenskraft absprechen. Vielmehr geht es in diesen Fällen um, sehr häufig unterbewusste, Prozesse, die uns einfach daran hindern, etwas wirklich zu wollen. Jedes Nicht-Wollen hat eine Funktion. Wenn ich mein Leben lang gelernt habe, dass ich Aufmerksamkeit bekomme, wenn ich leide, fällt es mir womöglich schwer mit dem Leiden aufzuhören – obwohl es doch so schrecklich schmerzt. Das klingt unheimlich paradox, aber kaum eine unserer Strategien, die wir uns irgendwann mal angeeignet haben, weil es Sinn gemacht hat, sind heute noch logisch. Und trotzdem hadern wir damit sie aufzugeben.

Es ist niemals nicht leicht. Das Gehirn kann Verneinungen nicht verarbeiten. Und trotzdem benutzen wir sie so häufig. Weil ich glaube, dass sie das Zögern in uns widerspiegeln. Dass wir etwas glauben oder wollen, aber unser Unterbewusstsein einfach nicht. Nicht-Wollen hat also eine Funktion. Und anstatt sich weiter zu fragen, was man anders machen könnte, woran es denn nur liegen könnte, dass … ist es vielleicht das einfachste, sein Herz zu befragen. Und herauszufinden, ob das, was dich wirklich am Handeln hindert, dich in einer bestimmten Situation ebenfalls schützt. Und falls du (aufrichtig!) zu der Erkenntnis kommst, dass nicht, wirst du sehen: ist alles auf einmal ganz leicht.

Nicht wollen ist der Grund, nicht können nur der Vorwand.

Seneca

Ein Kommentar zu „Es ist niemals nicht leicht

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