Liebesgeständnis

Für mich soll(te) es immer nur um die Liebe gehen. Während alle nach dem Sinn des Lebens suchen, habe ich meinen längst gefunden: die Liebe. Es gibt zwei Dinge, die, meiner Meinung nach, im Leben wirklich zählen: Liebe und Gesundheit. Ohne Gesundheit geht kaum etwas, ohne Liebe geht gar nichts – zumindest wenn am Ende etwas Gutes dabei rauskommen soll. Es fängt bei den kleinen Dingen an; die Liebe zu einem guten Buch oder für einen bestimmten Sport. Die Liebe zu einem Beruf, die einen jeden morgen antreibt. Die Liebe für das Leben, den Partner und die Königsdisziplin: die Selbstliebe. All diese Formen von Liebe sind niemals klein, sondern schaffen erst die Grundlage für etwas Großes. Sie ist das Fundament unseres Strebens, gibt dem Glauben eine Richtung und motiviert zum Handeln. Und ich bin wirklich von ganzem Herzen überzeugt, dass wir nur dann langfristig (!) glücklich werden, wenn wir etwas aus liebe tun. Vor allem jedoch, glaube ich an die Liebe zwischen zwei Menschen.

Natürlich können wir im Leben nicht alles lieben. Lästige Briefe beantworten, unnötige Bürokratie, die unser Wochenende klaut, Geschirr, das ab- und Wäsche, die ge-waschen werden will – das alles nervt. Und wird es auch immer. Aber das gehört dazu und das ist nur ein kleiner Teil des eigentlich Wesentlichen im Leben. Der Psychologe Abraham Maslow entwickelte 1943 ein Konzept, das für mich bis heute so simpel wie genial ist: die Bedürfnispyramide.

beduerfnispyramide-maslow

Maslow sagt, dass wir erst dann ein Bedürfnis, das auf der nächst höheren Stufe steht, entwickeln, wenn wir die Bedürfnisse der darunterliegenden Ebene erfüllt haben. Erst wenn ich also etwas gegessen habe oder auf der Toilette war, meine physiologischen Bedürfnisse befriedigt habe, kann ich mich wieder anderen Bedürfnissen widmen. Mit jeder höheren Stufe, wird das Bedürfnis komplexer. Maslows Idee wurde vor allem aufgrund seiner statischen Darstellung kritisiert. Das Modell würde verkennen, dass Bedürfnisse nicht zu 100 % erfüllt sein müssen, um neue zu entwickeln. Außerdem wachsen und verändern sich unsere Bedürfnisse natürlich mit der Zeit und dem Alter. Und ja, wahrscheinlich ist es falsch, eine Totalität in der Hierarchie Maslows zu sehen. Und ja, gerade heutzutage verwirklichen sich viele Menschen selbst ohne zwingend sozial eingebunden zu sein. Aber ich denke doch, dass die Hierarchie Maslows in ihrer Einfachheit etwas darstellt, was wir heutzutage zu oft vergessen. Es fühlt sich gut an, Erfolge zu feiern und dafür wertgeschätzt zu werden, aber ganz ehrlich: Was bringt die beste Leistung dieser Welt, wenn wir sie mit niemandem teilen können?

Denn seien wir doch mal ehrlich: Die meisten Arbeitnehmer sind ersetzbar. Natürlich haben wir besondere Talente und der eine kann besser in einem Job sein als ein anderer. Aber letztendlich sind die meisten Tätigkeiten erlernbar und wer genug Motivation und Muße mitbringt, wird einen Job irgendwann können. Wieso definieren sich dann so viele Menschen über ihre Arbeit? Anstatt sich dem zuzuwenden, was wirklich unersetzbar ist: Sich selbst als Menschen und sozialem Wesen, das so viel mehr umfasst als die Arbeit, die er tut. Kein Unternehmen ist je zusammengebrochen, weil ich zwei Wochen krank war. Wie oft hat jemand gekündigt und die Stelle wurde nicht nachbesetzt – und trotzdem lief alles weiter wie gewohnt. Natürlich stärkt beruflicher Erfolg und vor allem Wertschätzung den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit. Aber nicht unbedingt, weil wir irgendwas geleistet haben, sondern weil unsere Eigenschaften dadurch zum Vorschein treten; das was uns wirklich ausmacht.

Es ärgert mich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der suggeriert wird, das Unabhängigkeit und Liebe nicht vereinbar sind. Wir müssen Karriere machen und Pläne schmieden. Träume haben und nach zwei Monaten Elternzeit wieder in den Job zurückkehren. Aber am besten verlieben wir uns gar nicht erst, denn dann können wir uns zu 100 % auf das konzentrieren, was wir wirklich wollen. Ganz unabhängig von einem anderen Menschen entscheiden, kompromisslos sein – das ist Selbstentfaltung. Wer zum Teufel hat jemals entschieden, dass man in einer Beziehung nicht unabhängig sein kann? Wieso haben alle auf einmal Angst sich zu binden, weil sie sich dann selbst aufgeben? Ich glaube nämlich, dass es eigentlich das ist, was alle wollen, aber sich viele nicht trauen, weil Liebe heutzutage mit Schwäche assoziiert wird. Eine eigene Familie. Eine Partnerschaft, die Sicherheit und Halt gibt, kann eine Kraft entfalten, die Selbstverwirklichung plötzlich einfach werden lässt. Ich bin es leid zu hören, dass man in der Lage sein muss, jederzeit alleine klarkommen zu müssen. Wieso können wir nicht einfach dankend annehmen, dass es zu zweit schöner ist als alleine?

Ich meine damit selbstverständlich nicht, dass man keine Träume oder Wünsche haben darf, kann oder soll. Ganz im Gegenteil! Nur bin ich überezugt, dass es kein entweder oder gibt: Wer erkennen kann, dass der Austausch mit einem anderen Menschen und ja auch die Verbindlichkeit, die damit einhergeht, nicht einengt, sondern ganz im Gegenteil, den Boden nährt, um zu wachsen, gehört meiner Meinung nach zu den glücklichsten Menschen von allen. Denn Liebe ist doch immer etwas freiwilliges. Da steckt das Wort „frei“ schon drin. Wer Liebe als solche geben, aber auch annehmen kann, wird sehen, dass Liebe niemals eine Schwäche sein kann – sondern eine absolute Stärke ist.

Nachdem ich letztes Jahr zum ersten Mal zu Fuß die Alpen überquert (s. Monster) hatte, wusste ich: alleine hätte ich das nicht geschafft. Ich hatte keinerlei Wandererfahrung und wusste vorher einfach nicht, was das bedeutet. Da ich letztendlich durchgehalten habe, weiß ich objektiv natürlich, dass ich die Willenskraft besitze, genauso die Konstitution und Stärke. Aber trotzdem war ein wesentlicher Aspekt dieser Reise auch der Mensch an meiner Seite, der mir die Welt bedeutet hat. Sein unermüdlicher Glaube an und sein unerschütterliches Vertrauen in mich, haben eine Verbundenheit und Gemeinschaft geschaffen, die zusätzliche Kräfte in mir ausgelöst hat. Nach der Reise hatte ich ein unheimliches Selbstbewusstsein entwickelt. Ich war über mich hinausgewachsen und hatte eine Stärke bewiesen, die ich vorher selbst nicht von mir kannte. Ich war stolz auf mich und hatte das Gefühl, jeder zukünftigen Herausforderung gewachsen zu sein. Es klingt kitschig, aber da war ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Und die hat sich, meiner Meinung nach, aus zwei Dingen entwickelt: der Selbstwirksamkeit, denn ich wusste genau, dass nur ich alleine diesen Weg gehen kann und niemand sonst für mich. Aber vor allem auch, weil ich während der gesamten Reise von jemanden begleitet wurde, von dem ich wusste, dass er niemals zulassen wird, dass ich falle. Und mit dieser Kombination fühlte ich mich unbesiegbar.

2 Kommentare zu „Liebesgeständnis

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