1 year in Neverland

One year ago, I asked you to watch my bag not knowing that you would watch my bag every day from that day on. I remember walking to the bathroom, looking back at you and wondering why you were the first guy from Saudi-Arabia that I saw in Bali.

“Thank you“, I said when I came back, unconscious about the fact, that, with slowly sitting down into that big, soft, grey-brown beanbag right next to you, I pushed down the record-button for my own Eat, pray, love-movie.

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#2: Richtig traurige Entscheidung

Richtige Entscheidungen erkennt man daran, dass sie sich gut anfühlen. Oder etwa nicht? Und ich meine keine richtigen Entscheidungen, die nur deshalb richtig sind, weil sie objektiv und gesellschaftlich sinnvoll sind. Nein, ich meine eine richtige richtige Entscheidung. Eine, die aus dem Herzen kommt. Die muss sich gut anfühlen, davon war ich immer überzeugt – bis ich die Entscheidung traf, meinen Job als Content Managerin zu schmeißen und Autorin zu werden. Noch nie hatte sich eine Entscheidung richtiger angefühlt – und doch konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Wie konnte das sein?

Es gab ihn tatsächlich für mich, diesen einen Klickmoment, der vorher immer wie ein Mythos klang, der den Schalter in mir umlegte. Mein Chef präsentiere gerade in einer großen Runde die Neuausrichtung unseres Teams im Unternehmen. Er erklärte enthusiastisch, wohin „wir“ wollten und was „unsere“ Ziele seien. Das Problem war nur, dass keines dieser Ziele mit den meinen übereinstimmte. Mein Herz wurde nicht nur schwer, sondern tat richtig weh, als mein Chef über Visionen sprach, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Und plötzlich wusste ich, dass ich ihm nicht mehr dabei helfen konnte, seine Ziele zu erreichen und dass ich stattdessen anfangen musste, meine zu erkennen. Als er mich zwei Wochen später zum jährlichen Mitarbeitergespräch bat, um über meine Zukunft zu sprechen, ging ich ohne einen Plan hinein – und mit meiner Kündigung hinaus.

Ich weinte drei tagelang. Und ich weinte überall. Zu Hause, während der Arbeit, im Café, als ich mich mit meiner Mutter zum Mittagessen traf. Weil ich erst jetzt verstand, dass ich mich über zwei Jahre lang selbst belogen hatte. Weil ich erst jetzt bemerkte, wie erschöpft ich war, weil ich die ganze Zeit gegen mich selbst gelebt hatte. Aber ich weinte auch, weil ich wusste, dass ich mich ab jetzt nicht mehr selbst verraten konnte. Außerdem ärgerte ich mich über mich selbst: Mit der Entscheidung meinen sicheren Job aufzugeben und mich stattdessen – ohne irgendeinen Plan! – in die Selbstständigkeit zu stürzen, wählte ich den schweren Weg. Warum konnte ich mich nicht einfach mit einem simplen Leben zufriedengeben?

Letztendlich waren meine Tränen aber vor allem eins: Tränen der Erleichterung. Weil ich endlich begann auf mein Herz zu hören. Weil ich endlich bemerkt hatte, dass ich so nicht mehr weitermachen konnte. Und weil ich wusste, dass ich genug Mut und Ausdauer haben würde, um diesen vermeintlich schwierigeren Weg zu gehen.

Die Menschen um mich herum schauten mich verstört an, als ich nicht mehr aufhörte zu weinen. „Bist du dir sicher mit deiner Entscheidung?“, fragten sie mich irritiert. Wie konnte ich ihnen erklären, dass ich keine Sekunde an meiner Entscheidung zweifelte – mich aber eben von so vielem verabschieden musste, von all dem, was ich bisher kannte und lebte. Ich lernte, dass es nicht nur ein Gefühl von Traurigkeit gibt, sondern viele. Und dass Trauer so erlösend sein kann, dass sie sich paradoxerweise gut anfühlt. Dass sie, völlig widererwartend, genau das Gefühl ist, das mir zu verstehen gibt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Im April 2019 ahnte ich, dass ich etwas ändern muss. Im Mai habe ich gekündigt. Seit September bin ich selbstständig – immer noch lediglich mit einem Plan an meiner Seite, der sich erst während des Tuns formt. Ob es funktionieren wird? Ich habe keine Ahnung. Ob ich heute noch manchmal traurig bin? Ja, oft, aber vor allem bin ich eins: trotzdem ziemlich glücklich, weil es sich nicht nur richtig, sondern echt anfühlt.

Realityshow

Ich bin gerade auf Bali. Genaugenommen in Canggu, wo das Leben die surfende Welle sein kann, die die Insel in unseren Erwartungen verspricht: viel Sonne, Strand, gute Cafés und einladende Balinesen, die nicht zu Unrecht für ihr Lächeln bekannt sind. Canggu ist mittlerweile aber nicht mehr nur der Inbegriff des puren, heilenden Lebens, sondern wurde mit einer Schicht Oberflächlichkeit überzogen, die all die Influencer dieser Welt peut à peut nach Bali importiert haben, weswegen nun das genaue Gegenteil erzeugt wird: Isolation an einem Ort, an dem es hauptsächlich um Verbindungen geht.

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#1: Gefühlskarussell

Kann man innerhalb eines Lebens mehrere Leben leben?

Ich war im Frühjahr für drei Wochen auf Bali und es klingt wie ein Klischee, aber diese Zeit teilte mein Leben in ein Davor und Danach. Aber es gab auch ein ganz eindeutiges, eigenes Währenddessen, das in einer Zwischenwelt stattfand. Als ich auf Bali war, habe ich die dunkelsten Abgründe gesehen, alte Dämonen begrüßt und gleichzeitig so viele 10er erlebt, die mich daran zweifeln lassen, ob das, was ich zuvor als 10 wahrgenommen habe, überhaupt eine 10 wert war. Ich habe geweint, gelitten und doppelt so viel geliebt. Ich habe gelernt, dass Frieden die Farbe Gold hat. Und, dass er in der emporsteigenden Asche des Vulkans Gunung Agung zu finden ist. Ich habe als nicht-religiöser Mensch endlich verstanden, was es heißt, etwas Göttliches zu sehen.

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Spiegelbild

Gestern habe ich mich im Spiegel angeschaut, bevor ich duschen gegangen bin. Du hast einen von diesen großflächigen Spiegeln im Badezimmer, die nichts verzeihen. Und mir hat, wie so oft, nicht gefallen, was ich dort sah.

„Ich seh furchtbar aus“, habe ich frustriert gesagt.

Du standst neben mir, hast mich angeschaut und nicht verstanden worum es geht. „Was meinst du?“, hast du gefragt.

„Das hier alles …“, hab ich geantwortet und mit meiner rechten Hand vor meinem Körper rumgefuchtelt, „Ich seh furchtbar aus. Ich hasse es, mich im Spiegel anzuschauen.“ Mittlerweile war ich nicht mehr frustriert, sondern wütend. Irgendwie wütend auf mich selbst.

Du hast mich einen Moment lang durch den Spiegel angeschaut und kurz innegehalten. Dann hast du leise gesagt: „Ich auch nicht. Ich schau mich auch nicht gerne im Spiegel an.“

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