Am Anfang war das Nichts

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie leicht das Leben sein kann, wenn man seinem Herzen folgt. Wie sich die Dinge einfach so ergeben, wenn man genau das tut, was einem persönlich entspricht. Weil ich wirklich davon überzeugt bin, dass es so ist. Weil sich auch bei mir immer alles gefügt hat, wenn ich bedingungslos auf mein Herz gehört und daran geglaubt habe.

Nur: Was ist, wenn ich nicht weiß, was mein Herz will?

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Die Geisterversammlung

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. In der Agentur, in der ich arbeite, gibt es jeden Montag um 9.30 Uhr eine Shortlist. Eine halbe Stunde lang wird darüber berichtet, wie es unseren Kunden so geht, was wir in der letzten Woche alles gerissen und gepitcht haben und wer die neuen Brandschutzhelfer im Unternehmen sind. Die Shortlist ist ein Pflichttermin für alle, aber die Hälfte der Rund 200 Mitarbeiter erscheint nicht, weil das doch ein bisschen zu anstrengend ist an einem Montagmorgen. Die andere Hälfte geht wiederum hin, weil sie erkannt hat, dass es sich bei dieser Berieselung um einen sanften Einstieg in die Woche handelt. So gleicht die Shortlist jeden Montag auf’s Neue einer Geisterversammlung: leere Blicke, hängende Schultern, Gesagtes, das wie zähflüssige Nebelschlieren in den Menschen versackt.

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Gefühlsausdruck

Manchmal frage ich mich, wie Schönheit so wehtun kann. Wie mich etwas, das ich sehe oder dem ich begegne, in seiner Vollkommenheit so tief berührt, dass es wehtut. Ich habe das in Momenten wie heute früh. Ich war joggen, aber eigentlich habe ich mir die Welt angeschaut. Ich hab den blauen Himmel gesehen und die dicken Quellwolken; ich habe Menschen gesehen, die mit ihren eigenen Geschichten spazieren gehen. Ich habe meinen Körper gespürt, den klügsten Organismus von allen, der niemals aufhört, mir ein gutes Leben zu ermöglichen. Und diese unaufdringliche Schönheit des Lebens kann einen in Ekstase versetzen – oder eben, wenn man sie wirklich begreift, wehtun.

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Entschieden Erwachsen

Als die NEON dieses Jahr ihr Aus bekannt gab, wurde ich sentimental. Als die Zeitschrift 2013 ihren Pik hatte, war ich dort Praktikantin in der Online Redaktion – ich war Anfang zwanzig und völlig eins mit deren Leitidee. Die NEON war mehr als eine Zeitschrift, sie war ein Statement. Für eine Generation, die sich verloren fühlte oder zumindest noch nicht wusste, wohin mit sich. Eine Stimme für alle 20- bis 30-jährigen, die nicht erwachsen werden wollten. Heute bin ich Ende Zwanzig und die NEON wurde eingestampft. Als würden die schlechten Absatzzahlen mir sagen: Deine Generation hat’s gepackt, deine Schonzeit ist abgelaufen. Es ist Zeit, erwachsen zu werden.

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Alle wollen’s, keiner tut’s

Ich saß letztens mit einer Gruppe von Menschen zusammen, die gemeinsam über ihr Beziehungsleid klagten. Sie fühlten sich richtig gut aufgehoben in dieser Runde, weil sie einander so unglaublich gut verstanden. Das Problem war Folgendes: Sie wohnten alle mit ihrer/m Partner/in zusammen, die/den sie wirklich sehr liebten und was sie ja auch wirklich wollten – aber es war ihnen einfach nicht möglich, mal ein bisschen Zeit für sich zu haben in dieser gemeinsamen Wohnung. Einer teaserte vorsichtig das Problem, der nächste witterte seine Chance um einen Leidensgenossen und ehe ich mich versah, nickten alle zustimmend und sie seufzten sich gegenseitig in ihre ausweglosen Gesichter.

Ich habe ihnen genau eine Frage gestellt: Habt ihr eure Bedürfnisse jemals zu Hause geäußert?

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Monster

Jeden Abend stehe ich vor meinem Endgegner: meinem Bett. Was ich tagsüber liebe, wird abends zu einem Ort, den ich besonders fürchte. Wenn ich daran denke, schlafen zu gehen, kriege ich Angst. Ich tue es trotzdem, denn ich bin müde und ich brauche Erholung, aber niemals gehe ich ohne Angst ins Bett. Ich traue mich oft nicht, mein Bett anzuschauen, weil ich glaube, dass ich die Angst vermeiden kann, wenn ich ihr nicht in die Augen schaue. Es ist, als würde ein Sensemann in meinem Bett liegen, der mich zu sich ruft. Der steht jedoch nicht für den Tod, sondern für die Angst, dafür aber mit der gleichen Unausweichlichkeit; ich kann ihr nicht entkommen. Ein ziemlich düsteres Bild, ich weiß. Aber so fühlt es sich nun mal an.

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