Die Ego-Falle

Letzte Woche saß ich inmitten fünf Mitte fünfzigjähriger Isländerinnen und lernte für mein Leben, dass das Leben im hohen Norden wiederum vor allem eines hervorbringt: Frohnaturen. Ich wusste vorher schon, dass Island zu den glücklichsten Ländern der Welt zählt, aber irgendwie konnte ich das nie so richtig glauben. Ich war noch nie dort und es muss da wirklich schön sein, keine Frage. Aber diese Dunkelheit? Diese Kälte? Diese Einöde? Kann das auf Dauer so glücklich machen? Es kann, ganz offensichtlich, und zwar nicht nur so ein bisschen. Diese fünf Frauen kamen wie Göttinnen daher, in ihren schicken langen Kleidern, topgestylt und mit dem schönsten Accessoire, das es gibt: glücklich sein.

„Die Ego-Falle“ weiterlesen

Treffen sich Truman und Neo

Manchmal glaube ich, ich bin Protagonistin der Truman Show. Und an anderen Tagen meine ich als einzige erkennen zu können, was ist, während alle anderen in der Matrix leben. Ich sehe Neo auf der einen, Truman auf der anderen Seite und frage mich, was wahr ist. Im Friedvollen Krieger heißt es, das Leben sei paradox und deshalb macht es keinen Sinn versuchen zu wollen, es zu ergründen. Ich denke, dass das grundsätzlich stimmt. Die Suche nach der Wahrheit ist ein Fass ohne Boden, man kann dabei nur verlieren und ganz besonders sich selbst. Würde ich das Leben und mich jedoch nicht regelmäßig hinterfragen, käme ich mir vor, als würde ich mich selbst verraten. Wie kann man also einen gesunden Bezug zu der eigenen Welt schaffen in der man lebt? Wann weiß ich, ob das, was ich denke richtig ist, während alle anderen meinen, es sei falsch? Wenn ich meinem eigenen Gefühl nicht trauen kann, was bleibt mir dann?

„Treffen sich Truman und Neo“ weiterlesen

Die Glücksskala

Ein Tag im April. Ich will nur kurz zum Sportplatz, der direkt gegenüber von meiner Wohnung liegt. Als ich rauskomme, scheint die Sonne, blinzelt mich an und ich merke: Es ist warm. Es ist endlich wieder richtig angenehm warm. Ohne Tasche in der Hand oder auf dem Rücken, nur in wohligen Sportklamotten bekleidet, sind diese paar Meter, die ich gehen muss, absolut vollkommen.

„Die Glücksskala“ weiterlesen

Kein Ende in Sicht

Wenn etwas zu Ende geht, kann das ganz schön beklemmend sein. Es kann Angst einjagen, oder traurig machen, beunruhigen und Unwohlsein erzeugen. Und dabei ist es völlig egal, ob man sich schon lange darauf vorbereitet, oder plötzlich davon überrascht wird. Denn auch wenn man sich das Ende wünscht: Es wird zukünftig nicht mehr so sein wie bisher. Das Unbekannte liegt blank vor einem – und nicht immer kann man mit wehenden Fahnen ins Ungewisse ziehen.

„Kein Ende in Sicht“ weiterlesen

Freiwillige Akzeptanz

Der 14. Dalai Lama wurde mit vier Jahren von seinen Eltern getrennt, um zu demjenigen ausgebildet zu werden, der er später einmal werden sollte. Weit entfernt von seiner Familie, fühlte sich der kleine Junge einsam und verlassen. Ein Mönch wurde ihm schließlich zur Seite gestellt, zu dem er eine tiefe Verbundenheit spürte und der viele Jahre als Bezugsperson diente, in diesem neuen Leben, das er noch nicht so ganz verstand. Doch dieser Mönch wurde schließlich versetzt und der Dalai Lama verlor seinen treusten Freund. Viele Jahre später, als der Dalai Lama längst erwachsen war, berichtete er von diesem Erlebnis in einem Interview. Dabei fing er an zu weinen. Der Journalist war irritiert – galt der Dalai Lama nicht schließlich als personifizierte Akzeptanz? Wieso trauerte er auch Jahre später immer noch um seinen Freund? Der heilige Mönch konnte die Verwunderung hingegen nicht verstehen. Es handelte sich schließlich um einen der schmerzlichsten Verluste seines Lebens. Was war also so verkehrt daran, heute noch darum zu trauern?

„Freiwillige Akzeptanz“ weiterlesen

Es ist niemals nicht leicht

Eigentlich ist es immer ganz einfach. Und ja, da ist es das Wort „eigentlich“, weil auch ich weiß, dass es nicht immer leicht ist. Dass das Leben schwer sein kann und nicht zuletzt auch deshalb, weil wir es uns selbst so schwer machen. So oft habe ich schon Sätze gehört wie: Ja, ich möchte das, aber es ist so schwer… oder: Ich kenne mein Problem, aber ich schaffe es einfach nicht, etwas zu ändern. Sätze wie letztere sind besonders tragisch. Denn hat uns die Lektüre in der Brigitte oder der Therapeut im Sessel gegenüber nicht immer versichert, dass Erkenntnis der erste Schritt zur Veränderung ist? Und gibt es kein frustrierendes Gefühl als das Problem inklusive der Lösung genau zu kennen und doch nichts verändern zu können?

„Es ist niemals nicht leicht“ weiterlesen