Der Mensch ist das Ziel

Als ich frisch getrennt war und der Liebeskummer zu groß, um ihn auszuhalten, genoss ich zumindest einen Vorteil: Ich war absolut angstfrei. Gefühlt hatte ich alles verloren, was es zu verlieren gab und damit schlussfolgernd nichts, wovor ich noch Angst haben brauchte. Glücklicherweise war ich nie lebensmüde, deshalb konnte ich diese gewonnene Freiheit sinnvoll kanalisieren. Und das tat ich auch. Ich sah mich auf meinem Spielfeld um und blickte all den Gegnern in die Augen, die sich über die Jahre angestaut hatten, trat ihnen furchtlos entgegen – und besiegte sie alle. Ich war auf einmal wahnsinnig erfolgreich. Ich fand das nur gerecht – ich nahm es als Trostpflaster dankbar entgegen und klebte es auf mein kaputtes Herz.

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Kurz erklärt: Gewaltfreie Kommunikation

Wie schön wäre doch diese Welt, wenn wir uns stets auf unser größtes Potenzial verlassen könnten: Kommunikation. Es gibt kaum eine andere Ressource, die stärker von uns Menschen missverstanden wird als diese. Kommunikation ist unser Schlüssel, unser Joker, unsere Brücke, unsere Wunderwaffe. Aber wie das bei Waffen nun mal so ist, können sie ein Trümmerfeld hinterlassen. Wie auf einer Wippe sitzen sich gelungene und misslungene Kommunikation gegenüber und wir allein entscheiden, wer von beiden heute schwerer wiegt. Dabei bin ich absolut überzeugt: Wer ehrlich, offen und aufrichtig miteinander redet, kann am Ende nur gewinnen. Immer. Trotzdem stelle ich wieder und wieder traurig fest, dass so viele Probleme entstehen, die nicht sein müssten. Dass Konflikte sich aufplustern, weil Streithähne meinen, ihr Gefieder präsentieren zu müssen. Dass Enttäuschungen, Vorwürfe und Machtspiele eskalieren, nur weil nicht angemessen kommuniziert wird – und das vielleicht schon seit Jahren.

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Treffen sich Truman und Neo

Manchmal glaube ich, ich bin Protagonistin der Truman Show. Und an anderen Tagen meine ich als einzige erkennen zu können, was ist, während alle anderen in der Matrix leben. Ich sehe Neo auf der einen, Truman auf der anderen Seite und frage mich, was wahr ist. Im Friedvollen Krieger heißt es, das Leben sei paradox und deshalb macht es keinen Sinn versuchen zu wollen, es zu ergründen. Ich denke, dass das grundsätzlich stimmt. Die Suche nach der Wahrheit ist ein Fass ohne Boden, man kann dabei nur verlieren und ganz besonders sich selbst. Würde ich das Leben und mich jedoch nicht regelmäßig hinterfragen, käme ich mir vor, als würde ich mich selbst verraten. Wie kann man also einen gesunden Bezug zu der eigenen Welt schaffen in der man lebt? Wann weiß ich, ob das, was ich denke richtig ist, während alle anderen meinen, es sei falsch? Wenn ich meinem eigenen Gefühl nicht trauen kann, was bleibt mir dann?

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Die Geisterversammlung

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. In der Agentur, in der ich arbeite, gibt es jeden Montag um 9.30 Uhr eine Shortlist. Eine halbe Stunde lang wird darüber berichtet, wie es unseren Kunden so geht, was wir in der letzten Woche alles gerissen und gepitcht haben und wer die neuen Brandschutzhelfer im Unternehmen sind. Die Shortlist ist ein Pflichttermin für alle, aber die Hälfte der Rund 200 Mitarbeiter erscheint nicht, weil das doch ein bisschen zu anstrengend ist an einem Montagmorgen. Die andere Hälfte geht wiederum hin, weil sie erkannt hat, dass es sich bei dieser Berieselung um einen sanften Einstieg in die Woche handelt. So gleicht die Shortlist jeden Montag auf’s Neue einer Geisterversammlung: leere Blicke, hängende Schultern, Gesagtes, das wie zähflüssige Nebelschlieren in den Menschen versackt.

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